Gutes Design hat viele Hände

29/08/2026

Wer einen Finn-Juhl-Sessel betrachtet, denkt vermutlich zuerst an Finn Juhl. Das ist verständlich. Seine Entwürfe gehören zu den einflussreichsten Möbeln des 20. Jahrhunderts und prägen das skandinavische Design bis heute. Wesentlich weniger sichtbar sind jene Menschen, die diese Entwürfe heute fertigen – einige seit Jahrzehnten, oft in derselben Werkstatt und mit einer Erfahrung, die sich weder fotografieren noch in einer Produktbeschrei­bung zusammenfassen lässt.

Vor einiger Zeit hat House of Finn Juhl diesen Menschen eine eigene Reportageserie gewidmet. Die Geschichten handeln von einem Holzbearbeitungsmaschinisten, einem Möbelpolsterer, einer Schreinerin, einem Vorarbeiter oder einem Schneider. Uns haben diese Porträts nicht nur deshalb interessiert, weil sie einen seltenen Blick hinter die Kulissen ermöglichen. Sie erzählen auch etwas über die Haltung eines Herstellers – und darüber, worauf wir achten, wenn wir entscheiden, welche Kollektionen ihren Platz bei holm° finden.

Wer heute von Handwerk spricht, zeichnet oft ein romantisches Bild. Man denkt an Werkbänke, Hobel und daran, dass möglichst alles von Hand entstehen sollte. Die Wirklichkeit in den besten Werkstätten ist deutlich spannender.

Dort stehen hochpräzise Holzbearbeitungsmaschinen neben Werkbänken, an denen seit Jahrzehnten dieselben Handgriffe ausgeführt werden. Beides gehört selbstverständlich zur gleichen Werkstatt. Niemand scheint darin einen Gegensatz zu sehen. Wahrscheinlich deshalb nicht, weil alle genau wissen, welche Arbeit sich einer Maschine überlassen lässt und wo das geschulte Auge oder die Erfahrung eines Menschen den entscheidenden Unterschied machen.

Dieser Gedanke begegnet uns nicht nur bei House of Finn Juhl. Auch Hersteller wie PP Møbler arbeiten nach demselben Prinzip. Moderne Technologie wird dort nicht eingesetzt, um Handwerk zu ersetzen, sondern um einem Entwurf möglichst treu zu bleiben. Viele Konstruktionen lassen sich heute präziser fertigen als zur Zeit ihrer Entstehung. Nicht weil der Mensch an Bedeutung verloren hätte, sondern weil sich Präzision und Erfahrung sinnvoll ergänzen. Dort, wo Maschinen objektiv das bessere Ergebnis liefern, werden sie selbstverständlich eingesetzt. Dort, wo Materialgefühl, Feingefühl oder jahrelange Routine gefragt sind, übernimmt der Mensch. Vielleicht ist gerade dieses Zusammenspiel ein Merkmal wirklich guter Möbel.

Die Menschen, die House of Finn Juhl porträtiert, sprechen darüber erstaunlich wenig. Rasmus erzählt von seinem Onkel in Schweden, der seine Begeisterung für die Holzbearbeitung weckte. Egon polstert seit den späten Sechzigerjahren Möbel und spricht über seine Arbeit mit einer Gelassenheit, die wohl nur nach einem halben Jahrhundert Berufserfahrung entsteht. Maibritt montiert jene Möbel, bei denen Erfahrung bis heute wichtiger ist als Geschwindigkeit. Lars leitet seit Jahrzehnten die Maschinenabteilung. Faeiq brachte seine Erfahrung als Schneider aus Syrien mit nach Dänemark. Christo fand seinen Weg von Südafrika in eine dänische Möbelwerkstatt. Unterschiedlicher könnten ihre Lebensgeschichten kaum sein. Gemeinsam ist ihnen eine Selbstverständlichkeit im Umgang mit ihrem Handwerk, die man kaum inszenieren könnte.

Vielleicht liegt genau darin der eigentliche Wert dieser Geschichten. Sie zeigen, dass gutes Design nie allein aus einem aussergewöhnlichen Entwurf entsteht. Zwischen einer Skizze und dem fertigen Möbel liegen unzählige Entscheidungen – manche trifft eine Maschine, andere ein Mensch. Entscheidend ist nicht, wer sie trifft, sondern dass sie dem ursprünglichen Entwurf dienen und ihn mit derselben Sorgfalt weiterführen.

Vermutlich ist das auch einer der Gründe, weshalb wir bei der Auswahl unserer Hersteller nicht nur auf Entwürfe, Materialien oder bekannte Namen achten. Ein Unternehmen verrät erstaunlich viel über sich selbst durch die Menschen, die dort arbeiten, und durch die Art, wie über ihre Arbeit gesprochen wird. Wer bereit ist, moderne Technologie dort einzusetzen, wo sie ein Produkt verbessert, ohne dabei das Wissen und die Erfahrung seiner Handwerker aus den Augen zu verlieren, trifft aus unserer Sicht genau jene Entscheidungen, die gute Gestaltung über Jahrzehnte tragen.

In einem der Porträts wird Egon gefragt, was ihm an seiner Arbeit besonders Freude bereitet. Er spricht weder von Designikonen noch von Sammlerstücken oder internationalem Erfolg. Er sagt lediglich, dass jedes Detail stimmen müsse. Nach mehr als fünfzig Jahren im selben Beruf klingt dieser Satz erstaunlich unspektakulär. Vielleicht beginnt Qualität genau dort.

Buchen Sie Ihr 1:1. Ein kostenloser und unverbindlicher Kennenlern-Termin mit einer unserer Einrichtungsberater:innen.

Eine Einrichtung ist so persönlich, wie es nur sein kann. Lernen Sie deshalb unsere Interior-Designer:innen bei einem Besuch unseres Design-Studios in Zürich oder bei einem kostenlosen 30-minütigen Videocall kennen. Buchen Sie Ihr 1:1 – Ihr erster Schritt auf dem Weg zu Hygge.

Anna Berg

Interior Design Lead

Die Gründerin von holm, Anna Berg, ist gebürtige Schwedin und führt seit 20 Jahren holm. Als Interior Design Lead ist sie für alle unsere Einrichtungsprojekte verantwortlich.

30’ gratis Call