3daysofdesign: Make This Moment Matter

12/06/2026

Letztes Jahr lautete das Motto der 3daysofdesign Keep it Real. Dieses Jahr lautet das Thema Make This Moment Matter. Damit setzt die Kopenhagener Designveranstaltung, die sich in den letzten Jahren zur wichtigsten internationalen Plattform für skandinavisches Design entwickelt hat, die Diskussion über Verantwortung, Relevanz und langfristige Bedeutung fort. Auf den ersten Blick liegen diese beiden Gedanken nah beieinander. Beide sprechen von Haltung, Ehrlichkeit und Bedeutung. Beide reagieren auf einen Markt, der sehr gut darin geworden ist, Bilder, Geschichten und Begehrlichkeit zu erzeugen.

Und doch gibt es einen wichtigen Unterschied. 

Keep it Real handelte von Authentizität. Make This Moment Matter fragt nach Verantwortung. Der Fokus verschiebt sich: weg davon, wie Design sich präsentiert, hin zu dem, was Design tatsächlich beiträgt. Was wird gemacht? Warum wird es gemacht? Wie lange hält es? Wie wird es genutzt, repariert, geliebt und irgendwann erinnert? In einer Welt, die bereits voller Dinge ist, sind das keine romantischen Fragen mehr. Es sind praktische.

Gerade jetzt fühlt sich das besonders relevant an. Die allgemeine Stimmung ist nicht von unbeschwertem Optimismus geprägt. In vielen Branchen, auch im Luxussegment, wächst ein Unbehagen gegenüber überhöhten Narrativen und dem ständigen Druck, mehr zu konsumieren, während uns gleichzeitig erzählt wird, wir würden besser konsumieren. Design steht nicht ausserhalb dieser Spannung. Seit Jahren spricht die Branche sehr schön über Handwerk, Herkunft, Nachhaltigkeit und Authentizität, oft aus gutem Grund. Aber Sprache allein kann Bedeutung nicht tragen. Irgendwann müssen das Objekt, das Material, die Produktion, der Vertrieb und der Service rundherum zeigen, ob der Anspruch wirklich stimmt.

Genau hier hat skandinavisches Design nach wie vor eine besondere Rolle. Nicht, weil es gerade gefragt ist, auch wenn es das ohne Zweifel ist. Und auch nicht, weil man es auf helles Holz, ruhige Räume und sorgfältig gefiltertes Licht reduzieren könnte. Skandinavisches Design ist dann relevant, wenn es auf substanziellen Ideen beruht: Proportion, Komfort, Materialehrlichkeit, Funktion, Handwerk, zugängliche Qualität und ein tiefes Verständnis dafür, wie Menschen tatsächlich wohnen und leben.

Diese Werte sind nicht neu. Im Gegenteil, sie wirken fast altmodisch. Vielleicht fühlen sie sich gerade deshalb wieder so wichtig an. Wenn alles gestylt, fotografiert und für einen Moment begehrlich gemacht werden kann, zeigt sich der eigentliche Wert erst später: wenn ein Möbelstück auch dann noch Sinn ergibt, wenn der Moment vorbei ist.

Einige der stärksten Geschichten der diesjährigen 3daysofdesign handeln deshalb nicht nur von neuen Lancierungen. Sie handeln von Kontinuität.

Swedeses Feier von 70 Jahren Lamino ist ein solches Beispiel. Der Sessel wurde 1956 von Yngve Ekström entworfen und entstand aus einer langen Suche nach der richtigen Kurve, dem richtigen Komfort und dem richtigen Gleichgewicht zwischen Einfachheit und menschlichem Körper. Seine Bedeutung liegt heute nicht nur darin, dass man ihn erkennt. Sondern darin, dass er nützlich geblieben ist und geliebt wird. Er stand in Wohnzimmern, neben Kaminen, vor schönen Aussichten. Er wurde benutzt, repariert, weitergegeben und wieder geliebt. Diese Art von Nachhaltigkeit entsteht nicht durch Kommunikation allein. Sie entsteht durch eine Form, die Menschen behalten wollen.

Louis Poulsens Fokus auf 100 Jahre PH System zeigt eine andere Lektion. Poul Henningsen behandelte Licht nicht als Dekoration. Er verstand Licht als etwas, das menschliche Erfahrung prägt. Die Frage war nicht einfach, wie eine Leuchte aussehen soll, sondern wie Licht fällt, wie Blendung vermieden werden kann und wie ein Raum angenehmer und menschlicher wird. In einem Markt, in dem Leuchten sehr schnell zu begehrten Objekten werden, noch bevor man über ihre Wirkung auf das Wohnen nachdenkt, bleibt das ein radikaler Gedanke.

Diese Haltung zeigt sich auch in Ausstellungen wie Balanced Principles, Composed Matter und Alternative Artefacts. Sie lenken den Blick auf Material, Textur, Schatten, Berührung und Zurückhaltung. Gleichzeitig zeigen sie eine starke japanische Präsenz in Kopenhagen, was bedeutungsvoll wirkt. Nicht als dekorativer Einfluss oder als nächste kurzlebige Ästhetik, sondern als tieferer Dialog zwischen zwei Kulturen. Japanisches und skandinavisches Design teilen das Verständnis, dass Raum nicht nur durch Objekte entsteht, sondern auch durch Proportion, Stille, Licht, Schatten und die Art, wie Materialien altern. Beide Traditionen bitten uns im besten Sinn darum, langsamer zu werden und genauer hinzusehen.

Das bedeutet nicht, dass sinnvolles Design immer zurückhaltend sein muss. Die Feier von Verner Panton ist ein wichtiger Gegenpol. Panton erinnert uns daran, dass skandinavisches Design nicht nur reduziert, hell und funktional ist. Es kann auch mutig, sinnlich, farbig und voller Freude sein. Seine Arbeit ist wichtig, weil sie unser Bild davon erweitert, was skandinavisches Design ist und sein kann. Und doch gilt auch hier dieselbe Frage: Ist diese Freude so gedacht, dass sie bleibt, oder ist sie nur ein weiterer visueller Effekt für den Moment?

Vielleicht liegt genau darin die interessanteste Spannung der diesjährigen Messe. 3daysofdesign ist natürlich ein kommerzieller Anlass. Er dient dazu, zu zeigen, zu präsentieren und zu verkaufen. Daran ist nichts falsch. Designunternehmen brauchen Kundinnen und Kunden, Showrooms brauchen Geschäft, und gute Produkte brauchen Menschen, die bereit sind, in sie zu investieren. Nur so können wertvolle Dinge weiterhin entstehen. Problematisch wird es dort, wo die Sprache der Bedeutung vor allem dazu dient, Konsum zu beschleunigen. Weniger, aber besser kaufen ist ein vertrauter Satz geworden. Er hat aber nur dann Gewicht, wenn die ganze Kette bereit ist, entsprechend zu handeln.

Diese Kette umfasst mehr als Designer, Produzenten und Besitzerinnen. Sie umfasst auch die Art, wie Design ausgewählt, präsentiert, verkauft, geliefert, installiert und langfristig gepflegt wird. Ein dauerhaftes Interieur entsteht selten dadurch, dass man einfach den tiefsten Preis oder die schnellste Verfügbarkeit sucht. Es entsteht durch Wissen, Geduld und Urteilskraft, durch dieselbe Haltung, die auch in der Arbeit von PP Møbler und ihrem Verständnis von Handwerk, wo Handwerk nicht als Marketingbegriff verstanden wird, sondern als Grundlage für Reparierbarkeit, Langlebigkeit und Qualität. Durch ein Verständnis für Proportionen, Materialien, Licht, Nutzung, Pflege und das Zusammenspiel einzelner Stücke. Es entsteht durch die Wahl des richtigen Objekts, nicht einfach des begehrten.

Deshalb bleibt die Rolle eines ernsthaften Showrooms wichtig. Nicht als Bühne für noch mehr Produkte, sondern als Ort der Auswahl und des Verständnisses. Ein Ort, an dem Materialien berührt, Proportionen eingeschätzt, Fragen gestellt und Entscheidungen mit mehr Sicherheit getroffen werden können, ob im Showroom oder im Rahmen einer persönlichen Interior Design Beratung. Der Wert liegt nicht nur im Verkauf, sondern in allem, was ihn begleitet: Beratung, Kuration, Lieferung, Installation, Nachbetreuung, Reparatur und der langfristigen Verantwortung dafür, wie ein Stück in einem Zuhause weiterlebt.

In diesem Sinn zählt Herkunft nur dann, wenn sie weiterhin gelebt wird. Ein bekannter Name reicht nicht. Ein Jubiläum reicht nicht. Eine schöne Geschichte reicht nicht. Ein Lamino Sessel, eine PH Leuchte, ein Wegner Stuhl oder ein Stück von Panton wird erst dann bedeutungsvoll, wenn es dem Leben weiterhin dient: wenn es Komfort schenkt, einen Raum verbessert, Freude bringt und es wert bleibt, gepflegt zu werden.

Die eigentliche Herausforderung hinter Make This Moment Matter besteht also nicht darin, Design bedeutungsvoller klingen zu lassen. Die Herausforderung besteht darin, Bedeutung sichtbar zu machen: in Entscheidungen, Materialien, Produktion, Vertrieb und Nutzung. Sie fordert Produzenten dazu auf, nicht nur zu überlegen, was sie lancieren, sondern warum. Sie fordert Händler und Showrooms dazu auf, diszipliniert auszuwählen, statt endlos zu erweitern. Und sie fordert Kundinnen und Kunden dazu auf, über die unmittelbare Anziehungskraft des Neuen, Reduzierten oder sofort Verfügbaren hinauszublicken.

Das ist keine antikommerzielle Haltung. Im Gegenteil, es ist eine ernsthaftere kommerzielle Haltung, die auf Qualität des Wachstums setzt, nicht auf Wachstum um jeden Preis.

Die Zukunft des skandinavischen Designs wird nicht durch Nostalgie gesichert. Und auch nicht durch eine weitere Schicht Storytelling. Sie wird dadurch gesichert, dass seine alten Versprechen weiterhin eingelöst werden: dass gutes Design schön, nützlich, menschlich und dauerhaft sein kann. Dass es den Alltag verbessert, ohne ständig ersetzt werden zu müssen. Dass man es pflegen kann, dass es altern darf und dass es nach zehn, zwanzig oder siebzig Jahren mehr bedeuten kann als am Tag, an dem es gekauft wurde.

Damit dieser Moment zählt, braucht Design keine lauteren Versprechen. Es braucht bessere Entscheidungen und den Mut, dahinterzustehen, auch wenn sie mehr kosten, länger dauern oder uns dazu bringen, weniger zu machen.

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Anna Berg

Interior Design Lead

Die Gründerin von holm, Anna Berg, ist gebürtige Schwedin und führt seit 20 Jahren holm. Als Interior Design Lead ist sie für alle unsere Einrichtungsprojekte verantwortlich.

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